PLaTzAnGsT forever

1979…. das war das Jahr, in dem sich vier junge Kids aus dem Spannskamp in Stellingen in Hamburg zusammentaten, um eine Band zu gründen, wie sie die Welt noch nicht gesehen hatte.
Na ja , wenigstens wie sie der Spannkamp noch nicht gesehen hatte. Jason, Fränkie, Boffer und ich – wir kannten uns schon, solange ich denken kann.
Nun ging es darum unser erste eigene Band nach vorn zu bringen. Rebellion stand auf unseren Fahnen.
Punk Rock hatte mittlerweile endlich auch Deutschland erreicht. Waren wir noch zu jung für die erste Generation der Punk Welle gewesen, mit Bands wie den Sex Pistols, The Clash und The Damned.
Jetzt kam die zweite Fuhre hinterher.
Tausende von geilen Bands schossen aus dem Boden. Aus England kamen die Cockney Rejects, Angelic Upstarts, Sham 69 und die Ruts. In Hamburg gab es großartige Gruppen wie die Buttocks, die Razors, Slime und Napalm, Punkenstein und die Coroners.
Wir wollte auch mitmischen, hatten aber keine Instrumente oder Amps, konnten nicht spielen, aber die Einstellung stimmte schon mal.Im Vorfeld  hatten wir verschiedene Bandnamen in Erwägung gezogen (die Scheißer, Kanalratten, Dirty Fuckers, Vitamin C), aber uns schließlich für den Namen PLATZANGST entschieden. Mit billigsten Gitarren ausgestattet hatten wir schon bald die ersten Gigs. Es ging uns immer darum, uns kurz vor dem Gig in kürzester Zeit betrunken zu saufen, um dann auf der Bühne möglichst schlecht unseren Kram runter zu lärmen.Gelang uns gut, aber mit der Zeit wurden wir besser.

Es war eine extrem aufregende Zeit. Sich als Punk auf der Straße zu zeigen, bedeutete sich Gefahren aus jeglicher Richtung auszusetzen. Es galt wütenden Spießern, Teds, Rockern, Prolls, Polizisten, Zuhältern und hysterischen Hausfrauen auszuweichen. Also quasi jedem, der einem so begegnete. Ständig passierte irgendwo etwas Neues. Auf Parties uneingeladen mit 50 verrückten Punks einfallen und sich freuen, wie einfach man Frohsinn verbreiten konnte.Ein geiles Konzert nach dem anderen zu besuchen, was nicht selten mit dem unliebsamen Besuch verfeindeter Gangs endete.Aber wir hatten viel Spaß. Die Punks schlugen sich mit den Teds, um sich irgendwann zu versöhnen, und als Verbrüderungsgeste mit 300 Leuten zu einem Radaumarsch durch Hamburg-Pöseldorf zu starten. 45 Minuten ungezügelte Zerstörung in Hamburgs Schickie Viertel, bis die Polizei samt Feuerwehr dem fröhlichen Treiben ein Ende setzte.Danach waren wir Punks noch mehr Freiwild als zuvor.
Die Einstellung zum Punk was uns heilig. Wie stürmten das Konzert der Clash in der Markthalle, die als Verräter des Punk Rocks gebrandmarkt waren.( „CBS promotes the Clash, but not for revolution, its just for cash“ Crass in „Punk is Dead“). Man war Punk Rocker 24 Stunden am Tag – Punk Rock war das Gebot der Stunde.

In dieser Zeit entstanden Songs wie die Hamburg Hymne „An der Waterkant“, Lieder über Fußball „Saturday Afternoon“ und die Liebe zum Alkohol „Vollsuff für alle“. Mit „An der Waterkant“ lieferten wir den Titelsong für den ersten Städtepunk Sampler „Waterkant Hits“. Der Großteil unserer Band wohnte mittlerweile in den besetzten Hafenstraßen Häusern, so dass wir auch oft in der Volxküche oder im Störtebeker spielten. Wir produzierten ein Kasetten-Demo „Songs For Heroes“, aber irgendwie bekamen wir es in all den Jahren nie hin, mal eine Platte aufzunehmen. Vielleicht waren wir einfach zu abgelenkt. Die Band löste sich schließlich auf, und wir landeten alle in anderen Formationen: Public Enemy 23, the Posers, Rubbermaids, Bronx Boys, La Folie Douce, Gang Loco, etc….

Als wir dann vor 3 Jahren angesprochen wurden, wie es denn mal mit einer Reunion von Platzangst  aussähe, waren wir alle recht schnell wieder beisammen.Hätte ich auch nicht gedacht, dass ich mit den Jungs nochmal gemeinsam Musik machen würde. Fränkie bekamen wir nicht mehr zu fassen. Den hatte es schon vor langer Zeit nach Portugal verschlagen. Dafür nahm Nagel seinen Platz ein, der vorher schon bei Gruppen wie SS Ultra Brutal und Ramonez 77 getrommelt hatte. Wir hatten den ersten Gig seit Jahren und es fühlte  sich an wie…nee, nicht wie damals, von wegen alte Spirit und so. Es war einfach geiler. Endlich hatten wir vernünftige Instrumente und Amps, und mussten nicht mehr zu dritt über einen Echolette Verstärker spielen ( alter DDR Amp ), und die Kotzerei nach dem Auftritt blieb auch aus.

Und so können wir immer noch unsere Botschaft verbreiten:

Spannskamp/Stellingen für immer.
Vollsuff für alle.
Nur noch Hela Ketchup.

Das ist wahr…..

Gale Scholle Anderson , Hamburg Juni 2015

4 Gedanken zu „PLaTzAnGsT forever

  1. Hallo, auf der Suche nach dem Text von „An der Waterkant“ vom Waterkant-Hits Sampler stoße ich jetzt auf eure Homepage.Klasse!! Liegt es doch jetzt schon über 30 Jahre her, als ich den Waterkant-Hits Sampler rauf und runter gehört habe.
    Den Text konnte ich damals wie heute nur 3/4 raushören.Da ich mich seit einigen Jahren wieder mit dem Punkrock der 80er Jahre beschäftige, würde es mich freuen wenn Ihr mir den Text zukommen lassen könntet. Viele Grüße aus Hamburg-Harburg-Andreas

    1. Hi Andreas, super, dass Du dich für den alten Kram interessierst.
      Am 4.12.2015 wird es im Hafenklang eine Record-Release-Show geben. Ja, genau, den alten Kram plus einige neue Stücke wird es auf Platte geben. Da kann ich dir den Text persönlich vorsingen 😉
      Falls Du es gar nicht erträgst bis dahin, melde dich noch mal, dann kriegst Du ihn per PM.

      Bestes,
      Boffer

  2. Super, Leute dass die Website endlich steht, freut mich sehr. Schöner Text von Scholle. Wusste nicht, dass man gedacht hatte, Platzangst erst „Die Scheisser“ zu nennen…? Das war doch schon das legendäre Kinderpunk-Duo Gernot und Scholle. („Dirty Fuckers“ ist auch natürlich nett) Jetzt kann man nur hoffen, dass die CD bald in den Läden steht (das ewige Warten darauf macht einen ja allmählich doch fertig, die Nerven liegen blank, nun macht mal hinne…)

    Schöne Grüße an die Punk-Götter! Spannskamp Rules OK!

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